Worauf es wirklich ankommt
Der alte Handyvertrag läuft aus oder man gehört tatsächlich zur letzten aussterbenden Gruppe der Methusalems, die der Zeit hinterher hinken und immer noch kein Handy besitzen. Unzählige Angebote locken mit Flatrates und kostenlosen SMS, Freiminuten und voller Kostenkontrolle. Doch hier den Überblick zu behalten scheint komplizierter als die eigene Doktorarbeit. Es gilt herauszufinden, was persönlich wichtig ist und die entscheidenden Kriterien zu kennen. Hierbei stolpert man auch rasch über etliche Kuriositäten und Kostenfallen. Worauf kommt es bei einem guten Handyvertrag wirklich an?
Inhalt:
Eigene Bedürfnisse herausfinden
Ohne die eigenen Bedürfnisse zu kennen ist es unmöglich, den passenden Tarif zu finden. Dabei sollte man sich überlegen: Wie war mein bisheriges Telefonierverhalten, wie viele SMS oder Telefonminuten werde ich künftig benötigen? Für viele reichen beispielsweise 60 Freiminuten in alle Netze vollkommen aus. In welchem Netz befinden sich die Hauptgesprächspartner? Wer stundenlang mit den immer gleichen Bekannten telefoniert profitiert unter Umständen von den günstigeren Tarifen im gleichen Netz. Das gleiche gilt für SMS.
Quelle: Netzkobold (Flickr)
Schreibt man vor allem E-Mails und nutzt ein Smartphone? Hier kann man mit Messenger Apps wie Facebook, WhatsApp oder Google Talk die SMS Kosten deutlich reduzieren. Wie groß sollte das Datenvolumen für das mobile Internet sein? Kann man sich zuhause in das eigene WLAN Netzwerk einwählen oder lädt man unterwegs Karten für den Routenplaner über das Handy? Ein Datenvolumen von 200 MB ist für die meisten Menschen, welche mobiles Internet nicht viel nutzen ausreichend. Das genügt für etwa 500 Seitenaufrufe im Internet. Wer ständig E-Mails bekommt oder mehr surft benötigt ein höheres Volumen.
Das Datenvolumen bedeutet meist nicht, dass das Internet nach Verbrauch abgeschaltet wird. Es wird zumeist auf GPRS-Niveau gedrosselt und dadurch deutlich langsamer.
- Die monatliche Grundgebühr
- Freiminuten und SMS, für welche Netze
- Volumen für mobiles Internet
- Wie teuer wird es, sollten die Inklusivminuten oder SMS aufgebraucht sein?
- Kosten für Anrufe und SMS in fremde Handynetze
- Kosten für Anrufe ins Festnetz
- Kosten für Dienste im Ausland
- Preis für eine Flatrate
- Anschlusskosten
- Versandkosten
- Preis für das Handy
- Dauer der Laufzeit
Ein sehr wertvoller Tipp: Möglichst schon am Anfang die Kündigung vorbereiten und diese beispielsweise 4 Wochen nach Vertragsabschluss abschicken, dadurch kann es nicht vorkommen, dass man den Vertrag später ungewollt verlängert. Auch gibt es bei Fernabsatzgeschäften ein 14 Tägiges Rückgaberecht, innerhalb dieser Zeit kann der Vertrag ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.
Keine leichte Entscheidung: Android, Apple oder doch Windows phone? Quelle: EricaJoy (Flickr)
Falls man schon einen Vertrag hat: Wurde die Laufzeit verlängert und man hat einen längst überholten Tarif? Meist gibt es mittlerweile günstigere Tarife und man hängt im alten Tarif fest, da man versäumt hat, diesen zu kündigen. Den Vertrag im Internet abzuschließen ist oftmals günstiger, da hier Personalkosten und die Kosten beispielsweise für die Geschäftsräume deutlich niedriger ausfallen. Hat man mit dem gewünschten Anbieter einen guten Empfang im eigenen Wohngebiet? Auf Kleingedrucktes achten: Gilt die Anschlussgebührbefreiung beispielsweise nur für 3 Monate? Ist diese an bestimmte Bedingungen, beispielsweise einen monatlichen Mindestumsatz gebunden?
Unbedingt sollte man das Kleingedruckte und die Fußnoten lesen, Beschränkungen beispielsweise des Datenvolumens sind meist hier zu finden. Diese trotz der winzig gehaltenen Schrift unbedingt aufmerksam durchlesen. Der Handyverträge Vergleich ist sonst nicht möglich.
Beim Vertrag hilft es, alle Kosten zu berechnen und auf den Monat umzulegen. Dadurch fällt es leicht, die Unterschiedlichen Verträge zu vergleichen. Ein Beispielvertrag, Laufzeit 24 Monate:
- Anschlusspreis: 25,00 Euro
- Grundgebührt: 10,00 Euro * 24
- Handy: 179,00 Euro
- Versandkosten: 3,00 Euro
Fixe kosten also: 447 Euro / 24 Monate = 18,63 Euro pro Monat.
Alles beachtet: Klasse, dann kanns ja losgehen
Sobald man sich einmal ernsthaft mit den Verträgen und dem Kleingedruckten beschäftigt, fallen einem teils merkwürdige Dinge auf. Hier mal ein paar Beispiele:
Viele Handybetreiber verbieten Instant Messaging wie beispielsweise ICQ oder VOIP Telefonie. Ob dies kontrolliert oder toleriert wird steht dabei jedoch auf einem anderen Blatt.
Blackberry Handys wurden besonders aufgrund dem Zugang zum Internet und dem E-Mail Austausch geschätzt. Ausgerechnet hierfür wurden allerdings damals von T-Mobile nur Datenpakete bis 30 MB angeboten. Größere Datenpakete waren ausdrücklich nicht für Blackberrys gedacht.
Beim Kauf einer Tchibo-Mobil-Vorkasse-Karte gab es zwar 10 Euro Startguthaben, dieses musste allerdings in kurzer Zeit aufgebraucht werden.
Die Studententarife von Vodafone, E-Plus und O2: Die etwas ermäßigte Grundgebühr gilt laut Kleingedrucktem auch für Nicht-Studierende.
Zum Kleingedruckten an sich hier noch ein etwas älterer aber dennoch interessanter Link von Computerbild:
Bei Vodafone zählten Tester bis zu 23 Fußnoten. Bei T-Mobile im Tarif „Relax 50“ sind es 33 Extraklauseln, die zu allem Überfluss noch in extrem leseunfreundlicher Schriftgröße von 5,5 Punkt gedruckt sind – durchschnittliche Zeitungsschrift ist neun Punkt groß. (…)
Hier fanden die Tester viele Rechtsverstöße: T-Mobile versucht, sich künftige Preiserhöhungen wegen steigender Lohnkosten vom Kunden vorab genehmigen zu lassen. Tchibo, O2 und E-Plus/Base möchten sich gegen Minderungsansprüche bei mangelhaftem Handyempfang absichern.
Quelle: Ianfogg42 (Flickr)
Die Mailbox kann je nach Anbieter etwas mehr kosten als ein normaler Anruf. Das wäre noch nicht so schlimm, komplexer wird es, wenn man einige Zeit außerhalb der EU verbracht hat: Hier kann der Anruf über 2 Euro pro Minute kosten. Als Berechnungsgrundlage falls man das Handy ausschaltet gilt übrigens der zuletzt bekannte Standort. Wer sich also nicht sicher ist, am besten die Mailbox deaktivieren.
Im Ausland sind auch SMS und normales Telefonieren zumeist deutlich teurer, vor allem außerhalb der EU. Hier empfiehlt sich eine Prepaid Karte des einheimischen Netzbetreibers.
Taktung: Eine 60/60 Taktung bedeutet, dass jede angefangene Minute voll berechnet wird. Besser: Eine 60/1 Taktung, hier werden ab der ersten Minute nur die Sekunden berechnet, die tatsächlich vertelefoniert werden.
Sondernummern sind zumeist teuer, Wetter, Verkehr oder Auskunft: Am besten darauf verzichten. Auch bei den Hotlines langen manche Netzbetreiber kräftig zu, bis zu 1,99 Euro pro Minute.
Inkasso für Drittanbieter: Wer ein Smartphone benutzt und Gratis-Apps besitzt sieht oft diese kleine unscheinbare Werbung, welche manchmal eingeblendet wird. Ein unachtsames öffnen der Werbung kann zu einem kostenpflichtigen Angebot führen, welches die Anbieter des Abos über den Mobilfunkbetreiber eintreiben lassen. Die Summen sind zwar meist nicht sehr hoch, dennoch ärgerlich falls man etwas Ungewolltes untergejubelt bekommt.
Inkasso für Drittanbieter kann man bei Vodafone, 1&1 und der Telekom von vornherein sperren lassen. Unbedingt sollte man eine Flatrate für das mobile Internet abschließen, falls man sich ein Smartphone kauft. Bei extrem hohen Handyrechnungen: Manche Anbieter sind um ihren guten Ruf bemüht und kulant, hier kann man oft einvernehmlich verhandeln.
Hat sich dann doch durchgesetzt... Quelle: Ribbit Voice (Flickr)
Bei einem Smartphone sollte man unbedingt einen Datentarif wählen. Hier kann man tatsächlich sehr hohe Kosten erzeugen, falls das Navigationsprogramm mal unterwegs eine Karte herunterlädt. Vor allem durch Roaming, also Internet im Ausland können noch deutlich höhere Kosten angefallen. Auf jeden Fall genau über die Kosten informieren, bevor man in den Urlaub geht. Auch mit Flatrate können unter Umständen hohe Kosten anfallen.
Benutzer mit Prepaid Handys ohne Vertrag fühlten sich zwar bisher sicher, allerdings gibt es auch hier das Problem mit der Internetnutzung. Der Mobilfunkanbieter Simply hat beispielsweise 2009 rund 14700 Euro verlangt, als ein Kunde etwa 750 MB heruntergeladen hat. Das Landgericht Berlin sprach Simply glücklicherweise nur 10 Euro zu. Der Tarif war ein Prepaid Tarif mit nur 10 Euro abgeschlossen, allerdings mit einer Aufladeoption, welche automatisch 10 Euro zusätzlich auflud, sobald das Guthaben abtelefoniert war.
Unbedingt sollte man die fixen Kosten berechnen und diese regelmäßig bezahlen, da man durch einen Handyvertrag bei mehrmaligem Aussetzen der Rate schnell einen negativen Vermerk in der Schufa erhält.
Die Netzanbieter bei Handyverträgen sind Vodafone, T-Mobile, O2 und Base. Es gibt allerdings deutlich mehr Mobilfunk Provider und Discounter, welche über diese Netzanbieter Tarife anbieten. Ein interessantes Ranking findet man auf Focus.de. Die beste Gesamtwertung bekommt hier O2, gefolgt von Fonic. Die Netzanbieter T-Mobile und Vodafone befinden sich auf den Plätzen 6 und 8 von 54, Base ist als einziger ziemlich abgeschlagen.
Hier ist die Netzabdeckung zu finden.
Ein Video zu einem unseriösen Verkäufer:
Viele Anbieter bieten günstigere Tarife für junge Menschen an. Beispiel: O2 bietet bei seiner Mobile Flat einen Studententarif, man bekommt einen monatlichen Rabatt, Frei SMS und Freiminuten. Vodafone bietet auf die Superflats monatlich 10 Euro Rabatt. T-Mobile bietet schon lange Studententarife an für alle, die zwischen 18 und 25 Jahren alt sind, auch ohne zu studieren. Für Studenten sogar bis 29 Jahre.
Falls es mal nicht wie gewünscht geklappt hat oder man vorsorglich seinen Vertrag kündigen möchte um nicht die Kündigungsfrist zu verschlafen, hier ein einfach auszufüllender Musterbrief: Kündigungsschreiben. Vorsicht: Es gibt Anbieter, welche durchaus mal ein Schreiben “nicht bekommen” haben. Bei den seriösen Anbietern kommt dies kaum vor. Hier lohnt sich ein Brief per Einschreiben. Dies ist zwar kein Beweis dafür, dass sich im Brief auch eine Kündigung befindet, immerhin hat man dafür die Sicherheit, dass der Brief angekommen ist.